Candomblé – Orixás // Brasil
Der Begriff Candomblé umfasst mehrere religiöse Gruppen afrikanischen Ursprungs, die mit den Sklaven nach Brasilien kamen und deren Religionen sich hier – wie der Voudou in Haiti oder die Santeria in Kuba – mehr oder weniger stark mit katholischen, aber auch indianischen und spiritistischen Traditionen vermischt haben. So unterschiedlich wie die Herkunft der Sklaven, waren auch ihre religiösen Vorstellungswelten, die den Candomblé prägten. Es wird vor allem im nordöstlichen Staat Bahia praktiziert, wo die Priesterinnen mit der zeremoniellen Kopfrasur, rituellen Bädern, dem Beschmieren mit Hühner- und Ziegenblut und Hühnerfedern auf der Stirn geweiht werden. Die Zeremonie wird vom Klang der Atabaque-Trommeln begleitet, von Gesängen in afrikanischen Sprachen und leidenschaftlichen Tänzen, bis die Geweihten in Trance verfallen. Charakteristisch für alle Gruppen des Candomblé, ist die Verehrung mehrer Gottheiten und der Glaube daran, dass die Götter kurzzeitig in die körperliche Hülle ausgewählter Anhänger schlüpfen, um sich auf diese Weise zu offenbaren. Denn die afrikanischen Götter sind unsichtbar. Sie materialisieren sich in den Medien wie dem Wind auf der Wasseroberfläche eines Sees oder im Laub der Bäume. Die Götter des Candomblé, die Orixás, haben menschliche Züge mit Schwächen und Fehlern. Vor allem aber durch die Zeremonien und Feste in den Kultstätten – den “Terreiros“, bleiben die Riten, Mythen und Praktiken lebendiges Kulturgut. In den Terreiros lebt die Gemeinschaft der Geistlichen des Candomblé. In der Mehrzahl steht eine Frau an der Spitze, die “Lalorixá” auch “Mãe de Santo – Heilige Mutter” genannt, seltener ein “Babalorixá“, auch “Pai de Santo – Heiliger Vater” genannt. Diese Priesterinnen und Priester sind nicht nur oberste Vorsteher eines Terreiros in geistiger und administrativer Hinsicht, sondern auch anerkannte Autoritäten in allen Lebenslagen. Sie kennen die Geheimnisse und Wege, um das Axé, die positive Energie, aller Pflanzen, Lebewesen, Steine oder Naturgewalten zu entfalten. An nächster Stelle in der Hierarchie kommen die Ogãs, Männer, die oft auch ausserhalb der Terreiros leben und meistens herausragende Positionen im gesellschaftlichen Leben der Stadt einnehmen. Sie bilden eine Art Rat und übernehmen bestimmte Pflichten während und ausserhalb der religiösen Zeremonien. Sie werden von den Orixás und der Lalorixá ausgewählt. Wie die Ogãs gibt es auch eine bestimmte Anzahl von Frauen, die “Ekedes“, die spezielle Dienste im Terreiro leisten. Sie sind es beispielsweise, die bei den öffentlichen Festen den Heiligentöchtern beistehen. Diese Heiligentöchter “Filhas do Santo“, erfüllen eine der wichtigsten Aufgaben, denn sie können im Trancezustand zu Medien und Dienerinnen der Orixás werden. Bei den Festen steigen die Orixás von den Trommeln gerufen herab, um die Körper der Laôs, in Besitz zu nehmen. Ausgelöst wird die Trance vermutlich durch die Tänze und die rhythmischen Trommelschläge, vielleicht aber auch durch bestimmte Gerüche, Farben und Klänge. Die Trance wird oft beschrieben als ein Zustand des totalen Vergessens, des Ausser-sich-seins; von Unterwerfung einerseits und Besessenheit andererseits, ist da die Rede. Jedem Orixá wird zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort gehuldigt.
Oxossé, den Gott der Wälder, sollte man in einem Wald oder in einem Park anrufen. Xangó, der Gott der Steine und der Gerechtigkeit, empfängt seine Opfer an felsigen Orten. In Bahia und Rio huldigen die meisten Menschen den afro-brasilianischen Religionen mit Feiern, die gegen Ende eines Jahres stattfinden. Es gibt viele dieser Feiern, z.B. Sylvester oder Neujahr. Millionen von Brasilianern gehen dann an die Strände, um Iemanjá, der Königin des Meeres, zu huldigen. Blumen, Parfums, Früchte und sogar Schmuck werden für die Mutter der Gewässer ins Meer geworfen, um sie wohlwollend zu stimmen und ihren Schutz sowie Glück für das kommende Jahr zu erlangen. Nach dem Candomblé hat jeder Mensch einen Orixá, der ihn von der Geburt an das ganze Leben hindurch beschützt. Der Orixá eines jeden Menschen wird dadurch herausgefunden, dass der Pai oder die Mãe de Santo mehrere Hände voll “Búzios - Muscheln” wirft. Die Lage der Muscheln gibt dann angeblich Aufschluss über das Glück, die Zukunft und das vergangene Verhältnis zu den Göttern. Oxalá ist Vater aller Orixás. Von seinem Vater Olórun, dem höchsten Gott, hat er die Macht bekommen, die Welt zu regieren. Oxalá ist der Herr des Friedens und der Schöpfung. Oxalá nimmt in der afrikanischen Götterwelt die gleiche Stellung ein wie Jesus Christus im katholischen Glauben und erfährt die höchste Verehrung. Seine Farbe ist Weiss, sein Tag der Freitag. Ihm zu Ehren tragen viele Bahianer freitags weisse Kleider. Omolu, ist der Gott der Krankheit, einerseits kann er Leben bringen, anderseits aber auch den Tod. Sein seuchenentstelltes Gesicht ist mit Stroh bedeckt. In der Hand trägt er eine Xaxara, einen verzierten Besen, der Heilung bringt. Sein Tanzen symbolisiert das Leiden und den Fieberwahn. Ogun, ein kriegerischer Heiliger, wird mit dem Heiligen Antonius identifiziert. Er ist Gott des Eisens und des Krieges. Er gilt als Schutzpatron derer, die als Bauern und Handwerker mit Eisen arbeiten. Sein Tanz mit erhobenem Schwert symbolisiert den Krieg. Oxóssi, der dem Heiligen Georg entspricht, ist der Gott der Jäger und des Waldes und war in Afrika König von Keto. Eleganz, Beweglichkeit und Intellektualität, gleichzeitig aber auch Bescheidenheit und Aufrichtigkeit charakterisieren diese vielschichtige Gottheit. Oxumaré, oder der Heilige Bartholomeus, symbolisiert den Regenbogen. Seine Tänze stehen für den Himmel und das Land, und in seiner Hand trägt er eine eiserne Schlange. Xangô, Gott des Donners, Blitzes und der Gerechtigkeit, wird mit Jeronimo gleichgesetzt. Sein Symbol ist die Doppelaxt aus Kupfer. Auch ist er Richter und Vater der Gerechtigkeit. Mit seinen Blitzen bestraft er Lügner und Übeltäter, er ist der Rächer der von Ungerechtigkeit betroffenen Menschen. Xango ist die Ideologie, die Entscheidung, der Wille und die Initiative. Er ist die Stimme des Volkes, der konkurrenzlose mutige Kämpfer. Yansã, die Frau von Xangô, welche der Heiligen Barbara entspricht. Yansã wird mit den Naturkräften des Gewitters zusammengebracht und wird besonders durch die Blitze und stürmischen Winde charakterisiert. Sie ist die Führerin der Toten, der Geister, und zeigt ihnen den Weg. Exú schliesslich ist eine Art Bote zwischen den Menschen und anderen Orixás. Er ist auch der Wächter der Tempel, der Häuser und der Städte. Neben diesen gibt es noch zahllose weitere Orixás. Über ihnen steht ein allmächtiger und einziger Gott, namens Olórun. Er ist so erhaben, dass er von den Menschen nicht direkt angesprochen werden kann, welche dazu der Hilfe der Orixás als Boten und Vermittler bedürfen.
























